Die VO₂max beschreibt die maximale Menge an Sauerstoff, die der Körper während intensiver Belastung pro Minute aufnehmen, transportieren und verwerten kann. Sie gilt in der Sportwissenschaft als einer der verlässlichsten Messwerte für die aerobe Leistungsfähigkeit eines Menschen. Angegeben wird sie in Millilitern Sauerstoff pro Minute und Kilogramm Körpergewicht. Je höher dieser Wert ist, desto größer ist die Fähigkeit des Körpers, Energie über den aeroben Stoffwechsel bereitzustellen. Das ist entscheidend, weil bei längerer körperlicher Belastung der Großteil der Energie aus sauerstoffabhängigen Prozessen stammt.
So bestimmt die VO₂max die Leistungsfähigkeit
Die VO₂max wird durch mehrere physiologische Faktoren begrenzt. Entscheidend sind vor allem die Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems, die Sauerstofftransportkapazität des Blutes sowie die Fähigkeit der Muskulatur, Sauerstoff tatsächlich zu nutzen. Ein trainiertes Herz kann pro Schlag deutlich mehr Blut auswerfen als ein untrainiertes. Gleichzeitig verfügen Ausdauerathleten über eine höhere Kapillardichte in den Muskeln und mehr Mitochondrien, wodurch Sauerstoff effizienter in Energie umgewandelt wird. Studien zeigen, dass etwa 50 bis 70 Prozent der VO₂max genetisch bedingt sind, während der Rest durch Training beeinflusst werden kann. Besonders wirksam ist hochintensives Intervalltraining, das nachweislich zu den stärksten Steigerungen dieses Wertes führt.
Unterschiedliche Bedeutung je nach Sportart
Die Rolle der VO₂max variiert stark zwischen den Sportarten. In klassischen Ausdauerdisziplinen wie Langstreckenlauf, Radsport oder Skilanglauf besteht eine sehr enge Verbindung zwischen VO₂max und Wettkampfleistung. Spitzensportler in diesen Bereichen erreichen Werte von über 80 ml/kg/min, in Einzelfällen sogar über 90. In Spielsportarten wie Fußball oder Handball ist die VO₂max ebenfalls wichtig, allerdings weniger als alleiniger Leistungsfaktor. Hier bestimmt sie vor allem die Fähigkeit, wiederholt intensive Aktionen mit kurzen Erholungsphasen zu bewältigen. In Kraftsportarten spielt sie eine deutlich geringere Rolle für die Maximalleistung, beeinflusst jedoch die Regenerationsfähigkeit zwischen Belastungen und damit indirekt Trainingsumfang und Belastungsverträglichkeit.
Auch für die Gesundheit besitzt die VO₂max eine hohe Aussagekraft. Epidemiologische Untersuchungen zeigen, dass sie ein stärkerer Prädiktor für das Sterblichkeitsrisiko ist als viele klassische Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Cholesterinwerte. Eine Verbesserung der VO₂max durch regelmäßiges Training geht daher nicht nur mit sportlicher Leistungssteigerung einher, sondern auch mit einer nachweisbaren Reduktion von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.



