Mit dem Start der Olympischen Winterspiele rückt die Beinkraft in den Fokus, die als ein wesentlicher Leistungsfaktor nahezu alle Disziplinen verbindet. Ob alpiner Skilauf, Langlauf, Biathlon, Eisschnelllauf oder Snowboard, die Fähigkeit, hohe Kräfte effizient über die Beine in den Untergrund oder das Sportgerät einzuleiten, entscheidet über Geschwindigkeit, Stabilität und Kontrolle. Physikalisch betrachtet geht es um die Übertragung von Kraft in Vortrieb oder Richtungswechsel, biomechanisch um die Koordination von Hüft-, Knie- und Sprunggelenk unter teils extremen äußeren Bedingungen wie Kälte, wechselnden Reibungsverhältnissen und hohen Fliehkräften. Studien aus der Sportbiomechanik zeigen, dass insbesondere die exzentrische Kraftfähigkeit der Oberschenkelmuskulatur im alpinen Skisport entscheidend ist, da sie hohe Bremskräfte bei Kurvenfahrten abfangen muss, während im Langlauf und Eisschnelllauf zyklische, submaximale Kraftstöße über lange Zeiträume dominieren.
Warum Wintersportler anders trainieren als Kraftathleten
Das Krafttraining von Wintersportlern unterscheidet sich grundlegend von dem reiner Kraftathleten, z. B. Gewichthebern oder Powerliftern, obwohl beide hohe Belastungen bewegen. Kraftathleten zielen primär auf maximale Kraft oder Leistung in klar definierten Bewegungen ab, meist unter standardisierten Bedingungen und mit maximalen oder nahezu maximalen Lasten. Wintersportler hingegen nutzen Krafttraining als Mittel zum Zweck. Die entwickelte Kraft muss in komplexen, sportartspezifischen Bewegungen unter Ermüdung und wechselnden Umwelteinflüssen abrufbar sein. Entsprechend liegt der Fokus weniger auf absoluten Maximallasten, sondern auf der Kombination aus Kraft, Schnellkraft und Kraftausdauer sowie auf der inter- und intramuskulären Koordination. Wissenschaftliche Trainingsanalysen zeigen, dass Wintersportler häufig mit moderaten Lasten arbeiten, diese aber explosiv oder in instabilen Situationen bewegen, um die neuronale Ansteuerung zu verbessern. Zudem spielt die einbeinige Kraftentwicklung eine große Rolle, da viele Wintersportarten asymmetrisch geprägt sind. Krafttraining wird hier nicht isoliert betrachtet, sondern eng mit Techniktraining verzahnt, um die Übertragbarkeit auf die jeweilige Sportart zu maximieren und gleichzeitig das Verletzungsrisiko zu senken.



