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Wer im Krafttraining über Gelenkbelastung spricht, denkt meist zuerst an das Gewicht auf der Hantel. Das ist naheliegend, aber biomechanisch unvollständig. Entscheidend ist nicht allein, wie schwer eine Last ist, sondern welches Drehmoment im Gelenk entsteht, wie schnell die Bewegung ausgeführt wird, wie sauber die Technik bleibt, wie groß der Bewegungsradius ist, wie stark gebremst werden muss und wie viel Ermüdung sich über Satz und Trainingseinheit aufbaut.

Langsamere Bewegungen können das Gewicht entschärfen

Ein höheres Gewicht erhöht grundsätzlich die äußere Last. Bei einer Kniebeuge, beim Bankdrücken oder beim Kreuzheben bedeutet dies, dass die Muskeln, Sehnen, Bänder, Knorpel und Knochen größere Kräfte aufnehmen und übertragen müssen. Trotzdem folgt daraus nicht automatisch, dass schwere Gewichte „gefährlicher“ für die beteiligten Gelenke sind. Gelenke sind keine passiven Scharniere, die nur unter Gewicht leiden. Sie sind lebendes Gewebe, das sich an mechanische Belastung anpassen kann. Gerade progressives Krafttraining kann Knochen, Sehnen und Muskulatur stärken und dadurch langfristig auch gelenkschützend wirken. 
 Hohe Gewichte werden in der Regel langsamer bewegt, weil die Kraft-Geschwindigkeits-Beziehung des Muskels keine beliebig schnelle Beschleunigung schwerer Lasten zulässt. Das kann ein Vorteil sein. Eine kontrollierte Ausführung reduziert ruckartige Beschleunigungen, abrupte Bremskräfte und technische Ausweichbewegungen. Für das Gelenk zählt nämlich nicht nur die Last, sondern auch, wie diese Last bewegt wird. Eine leichtere Hantel, die explosiv, unsauber oder mit starkem Abfedern bewegt wird, kann kurzfristig hohe Spitzenkräfte erzeugen. Eine schwere Hantel, die ruhig, stabil und über eine beherrschte Bewegungsbahn geführt wird, kann trotz höherer Last berechenbarer auf Gelenke und Bindegewebe wirken.
Ganz „ausgleichen“ lässt die langsamere Bewegung das höhere Gewicht aber nicht. Mehr Last bedeutet meist auch höhere Muskelkräfte, und Muskelkräfte erzeugen Kompressions- und Scherkräfte im Gelenk. Beim Knie etwa entsteht die Gelenkbelastung nicht nur durch die Hantel, sondern vor allem durch die Zugkraft der Oberschenkelmuskulatur, die das Knie streckt und stabilisiert. Ähnliches gilt für Schulter, Hüfte und Wirbelsäule. Je höher die notwendige Muskelkraft, desto höher können auch die inneren Gelenkkräfte sein. Bewegungstempo verändert also die Art der Belastung, hebt die Wirkung der Last aber nicht einfach auf.
Die Forschung zum Bewegungstempo zeigt, dass Tempo, exzentrische und konzentrische Phase sowie Zeit unter Spannung wichtige Trainingsvariablen sind, ihre Wirkung aber nicht isoliert betrachtet werden kann. Sehr langsame Wiederholungen senken oft die bewegte Last und die Leistung, erhöhen aber die Dauer der Spannung. Schnellere Wiederholungen können höhere Beschleunigungen und Leistungsspitzen erzeugen. 

Das eigentliche Risiko liegt oft nicht beim Gewicht, sondern im Kontrollverlust

Für interessierte Laien ist die wichtigste Unterscheidung: Gelenkbelastung ist nicht gleich Gelenkschädigung. Belastung ist notwendig, damit Gewebe stärker wird. Problematisch wird es, wenn die Belastung die aktuelle Belastbarkeit übersteigt. Das passiert nicht nur bei Maximalgewichten, sondern auch bei zu hohem Volumen, zu kurzen Pausen, schlechter Technik, instabilen Endpositionen, Schmerzignoranz oder sprunghafter Steigerung. Ein Satz mit moderatem Gewicht kann für Gelenke ungünstiger sein als ein schwerer Satz, wenn er stark ermüdet, technisch zerfällt oder bis weit über die saubere Bewegungskontrolle hinaus erzwungen wird.
Schwere Gewichte sind deshalb nicht per se das Problem. Sie stellen aber höhere Anforderungen an Vorbereitung, Technik, Körperspannung und Belastungssteuerung. Wer schwer trainiert, braucht eine saubere Progression, genügend Erholung und eine Bewegungsausführung, bei der das Gelenk nicht ständig in ungünstige Positionen gezwungen wird. Besonders riskant sind Kombinationen aus hoher Last, hoher Geschwindigkeit, schlechter Kontrolle und Ermüdung. Umgekehrt kann schweres, langsames und technisch stabiles Training für gesunde Sportler sehr gut tolerierbar sein.
Auch leichte Gewichte sind nicht automatisch gelenkschonend. Viele Wiederholungen erhöhen die kumulierte Belastung, also die Summe aller mechanischen Reize über die Zeit. Bei Übungen mit hoher Wiederholungszahl kann Ermüdung die Technik verändern, wodurch Gelenke ungünstiger belastet werden. Leichtes Training mit explosiver Ausführung kann außerdem hohe Beschleunigungskräfte erzeugen. 
Am Ende zählt also vor allem die Qualität der Bewegungskontrolle und weniger das bewegte Gewicht.