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Das Herz treibt das Blut durch den Körper. Doch insbesondere beim Rücktransport des Blutes aus den Beinen bekommt es wirkungsvolle Unterstützung. Die Muskulatur der Wade funktioniert bei Bewegung wie eine zusätzliche Pumpe. Deshalb wird die Wadenmuskelpumpe gelegentlich als „zweites Herz“ oder „peripheres Herz“ bezeichnet. Vor allem der tiefer liegende Schollenmuskel, der Musculus soleus, spielt dabei eine wichtige Rolle. Für sportliche Menschen ist diese Funktion besonders interessant, denn die Wade ist damit weit mehr als nur ein Muskel für kräftige Schritte oder Sprünge.

So funktioniert die Wadenmuskelpumpe

Wer aufrecht steht, stellt den Kreislauf vor eine besondere Aufgabe. Das Blut aus Füßen und Unterschenkeln muss entgegen der Schwerkraft wieder in Richtung Herz transportiert werden. Während der Blutfluss in den Arterien wesentlich durch die Pumpkraft des Herzens angetrieben wird, besitzt das venöse System einen zusätzlichen Mechanismus.
Ziehen sich die Muskeln der Wade zusammen, üben sie Druck auf die zwischen und innerhalb der Muskeln verlaufenden tiefen Venen aus. Dadurch wird Blut aus dem Unterschenkel nach oben gedrückt. Venenklappen unterstützen diesen gerichteten Transport, indem sie den Rückfluss begrenzen. Entspannt sich die Muskulatur anschließend wieder, können sich die entsprechenden Venenabschnitte erneut mit Blut füllen. Mit jedem weiteren Schritt oder jeder weiteren Muskelkontraktion beginnt dieser Vorgang von Neuem.
Besonders bedeutend ist dabei der Musculus soleus. Der Schollenmuskel liegt unterhalb des bekannteren zweiköpfigen Wadenmuskels, des Musculus gastrocnemius, und ist stark auf ausdauernde Halte- und Bewegungsarbeit ausgerichtet. Beim Stehen, Gehen und Laufen ist er regelmäßig aktiv. In und um diese Muskelregion befinden sich Venen, aus denen durch die wiederkehrenden Kontraktionen Blut in Richtung Körpermitte befördert wird.
Die Bezeichnung „zweites Herz“ darf allerdings nicht wörtlich verstanden werden. Die Wade besitzt weder die eigenständige Pumpfunktion noch die zentrale Bedeutung des Herzens. Sie unterstützt vielmehr den venösen Rückstrom. Genau diese mechanische Hilfsfunktion macht die Wadenmuskelpumpe im aufrechten menschlichen Körper so bedeutsam.
Beim bewegungslosen Stehen arbeitet dieser Mechanismus deutlich weniger als beim Gehen. Sobald sich Sprunggelenk und Wadenmuskulatur rhythmisch bewegen, wechseln Anspannung und Entspannung miteinander ab. Diese wiederkehrenden Muskelkontraktionen sind das Grundprinzip der Muskelpumpe.

Warum die Wade für Sportler doppelt wichtig ist

Für sportliche Menschen besitzt die Wadenmuskulatur deshalb zwei unterschiedliche Aufgaben. Einerseits ist sie Bestandteil des Bewegungsapparates, andererseits unterstützt sie während der Bewegung den Bluttransport aus den unteren Extremitäten.
Beim Laufen übernehmen die Wadenmuskeln beispielsweise einen wesentlichen Anteil der Kraftübertragung über das Sprunggelenk. Sie tragen zur Stabilisierung bei und unterstützen den Abdruck vom Boden. Auch beim Sprinten, Springen, Wandern oder bei zahlreichen Spielsportarten entstehen hohe Kräfte in diesem Bereich. Selbst beim Radfahren ist die Muskulatur rund um das Sprunggelenk an der Kraftübertragung und Stabilisierung beteiligt.
Dabei haben Gastrocnemius und Soleus unterschiedliche Eigenschaften. Der Gastrocnemius verläuft über Knie- und Sprunggelenk und kann deshalb bei dynamischen und explosiven Bewegungen eine wichtige Rolle spielen. Der Soleus wirkt ausschließlich über das Sprunggelenk und besitzt einen hohen Anteil ausdauernder Muskelfasern. Er ist besonders gut für länger andauernde Belastungen geeignet und arbeitet beispielsweise beim Laufen über viele Tausend Schritte hinweg.