Eine Kalkschulter entsteht, wenn sich Kalziumsalze in einer Sehne der Rotatorenmanschette ablagern. Besonders häufig ist die Supraspinatussehne betroffen, die beim seitlichen Anheben des Arms eine wichtige Rolle spielt. Die medizinische Bezeichnung lautet kalzifizierende Tendinopathie der Rotatorenmanschette. Die Ablagerung kann starke Schmerzen auslösen, muss aber nicht zwangsläufig Beschwerden verursachen. Kalkdepots finden sich auch bei Menschen, die keinerlei Schulterschmerzen haben. Umgekehrt hängt die Stärke der Schmerzen nicht immer von der Größe der Ablagerung ab.
Training kann die Belastbarkeit der Schulter verbessern, die Beweglichkeit erhalten und die Muskulatur rund um das Gelenk stärken. Es gibt jedoch keine einzelne Kräftigungsübung, die nachweislich den Kalk auflöst. Die Forschung zu konkreten Trainingsprogrammen speziell bei einer Kalkschulter ist begrenzt. Die Empfehlungen orientieren sich deshalb zusätzlich an Erkenntnissen zur Tendinopathie der Rotatorenmanschette und zu Schmerzen unter dem Schulterdach. Eine 2025 veröffentlichte klinische Leitlinie, die ausdrücklich auch Patienten mit Kalkablagerungen einschließt, empfiehlt ein aktives Rehabilitationsprogramm mit Übungen zur Bewegungskontrolle und progressivem Krafttraining.
Erst bewegen, dann zunehmend belasten
In einer akuten, sehr schmerzhaften Phase steht zunächst nicht das klassische Krafttraining im Vordergrund. Die Schulter sollte weiter bewegt, aber nicht durch starke Schmerzen hindurch belastet werden. Eine vollständige Ruhigstellung ist in der Regel ungünstig, weil sie die Muskulatur schwächt und eine zunehmende Schultersteife begünstigen kann. Sanfte Pendelbewegungen eignen sich häufig als Einstieg. Dabei wird der Oberkörper leicht nach vorne geneigt, während der betroffene Arm entspannt herunterhängt und vorsichtig vor und zurück, seitlich oder in kleinen Kreisen bewegt wird.
Auch unterstützte Bewegungen können hilfreich sein. Der betroffene Arm wird dabei mit der anderen Hand oder einem Stab langsam nach vorne angehoben oder vorsichtig nach außen gedreht. Die Bewegung sollte nur so weit erfolgen, wie sie ohne Ausweichbewegungen und ohne deutliche Zunahme der Beschwerden möglich ist. Ein erzwungenes Dehnen gegen einen scharfen Schulterschmerz ist nicht sinnvoll.
Sobald die akuten Schmerzen zurückgehen und die Schulter wieder besser bewegt werden kann, lässt sich das Training schrittweise erweitern. Wandgleiten ist eine geeignete Übergangsübung. Die Hände werden an einer glatten Wand langsam nach oben geschoben, während der Körper leicht nach vorne tritt. Durch die Unterstützung der Wand lässt sich der Bewegungsumfang kontrollieren. Später kann die Übung frei und mit einem leichten Gewicht durchgeführt werden.
Für den Aufbau der Rotatorenmanschette eignet sich besonders die kontrollierte Außenrotation. Der Oberarm bleibt dabei seitlich am Körper, der Ellenbogen ist etwa rechtwinklig gebeugt und der Unterarm wird gegen ein leichtes Trainingsband oder ein kleines Gewicht nach außen bewegt. Diese Position ermöglicht eine dosierte Belastung, ohne den Arm sofort weit über Schulterhöhe anheben zu müssen. Das Gewicht sollte so gewählt werden, dass die Bewegung langsam und ohne deutliches Hochziehen der Schulter ausgeführt werden kann.
Auch die Muskeln, die das Schulterblatt führen und stabilisieren, sollten einbezogen werden. Kontrollierte Ruderbewegungen mit einem leichten Trainingsband, das sanfte Zusammenführen der Schulterblätter und Liegestütze an der Wand belasten die Schulter deutlich geringer als freie Liegestütze am Boden. Bei Wandliegestützen kann die Belastung zunächst niedrig gehalten und später durch einen größeren Abstand zur Wand gesteigert werden. Übungen für die Rotatorenmanschette und die Schulterblattmuskulatur gehören zu den zentralen Bestandteilen der physiotherapeutischen Behandlung von Beschwerden unter dem Schulterdach.
Eine leichte Zunahme der Beschwerden während einer Übung bedeutet nicht automatisch, dass die Schulter geschädigt wird. Anders siehtz es aus, wenn der Scherz auch 30 Minuten nach der Bealstung noch anhält oder am nächsten Tag schlimmer geworden ist.
Welche Übungen vorerst ungünstig sein können
Während einer schmerzhaften Phase sollten vor allem die Bewegungen reduziert werden, die die Beschwerden zuverlässig verstärken. Dazu gehören häufig schwere Arbeiten und Kraftübungen über dem Kopf, schweres Heben und Tragen sowie Sportarten mit vielen schnellen Überkopfbewegungen. Für das Krafttraining bedeutet dies, dass schweres Schulterdrücken, stark belastetes Seitheben im schmerzhaften Bewegungsbereich und explosive Wurf- oder Schlagbewegungen zunächst ungeeignet sein können. Diese Übungen sind nicht grundsätzlich dauerhaft verboten. Sie sollten jedoch erst wieder aufgenommen werden, wenn die Schulter über einen ausreichenden Bewegungsumfang verfügt und leichtere Belastungen ohne anhaltende Reaktion verträgt.
Ebenfalls ungünstig sind Bewegungen, bei denen mit Schwung gearbeitet, die Schulter deutlich hochgezogen oder ein schmerzhafter Bewegungsbereich erzwungen wird. Das Ziel besteht nicht darin, den Kalk durch möglichst intensive Belastung mechanisch zu zerdrücken. Eine solche Wirkung von Kraftübungen ist nicht belegt. Entscheidend ist vielmehr, die Belastbarkeit der Sehne und die Funktion der gesamten Schulter schrittweise wiederherzustellen.
Wie schnell die Belastung gesteigert werden kann, hängt von der Schmerzintensität, der Beweglichkeit, der Dauer der Beschwerden und möglichen Begleiterkrankungen ab. Eine fachliche Untersuchung ist besonders wichtig, wenn der Arm plötzlich kaum noch angehoben werden kann, eine ausgeprägte Kraftlosigkeit besteht, die Schulter gerötet oder überwärmt ist, Beschwerden nach einem Unfall aufgetreten sind oder Taubheitsgefühle und Lähmungserscheinungen hinzukommen.



